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Kaffeewissen

Wie wird Kaffee gehandelt?


In diesem Beitrag geht es um die Frage, wie der Kaffee eigentlich vom Kaffeegürtel in Deutschlands Röstereien kommt. Wege gibt es dafür viele. Wir begleiten den Kaffee und zeigen dir, wie wir Kaffee kaufen.

Wie wird Kaffee gehandelt?

Mit dem Anbau und Processing von Kaffee haben wir uns bereits befasst. Heute geht es um die Frage, wie der Kaffee eigentlich vom Kaffeegürtel in Deutschlands Röstereien kommt. Wege gibt es dafür viele. Die Gemeinsamkeit ist, dass die Reise in den meisten Fällen per Schiff passiert. Wir begleiten den Kaffee.

Eine wichtige erste Unterscheidung ist die in direkten und indirekten Handel. Der direkte Handel hat im Zuge der Third-Wave-Coffee-, Specialty-Coffee- und der Nachhaltigkeitsbewegung wieder an Bedeutung gewonnen. Allerdings ist der indirekte Handel immer noch der Klassiker. Die Lieferkette ist komplex und umfasst viele Stationen: Kaffeefarmer:innen, Kooperativen, Termingeschäfte, Exporteur:innen, Reedereien, Importeur:innen, Logistikbetriebe und schließlich Röstereien und wir als Konsument:innen. Jeder übernimmt eine Aufgabe und dafür ein kleines oder größeres Stück vom Kaffeekuchen.

Die Termingeschäfte finden hauptsächlich an den Börsenplätzen in New York (Arabica) und London (Robusta) statt. Hier wird auf den Kaffeepreis spekuliert. Für Specialty Coffee, wie wir ihn beziehen und rösten, gilt das allerdings nicht.

Was ist direkt gehandelter Kaffee?

Echter Direkthandel ist gar nicht so einfach, wenn zwischen Verkäufer und Einkäufer mehrere Tausend Kilometer liegen. Trotzdem gibt es Röstereien, die ihren Rohkaffee ausschließlich über direkten Handel beziehen. Das heißt, dass die Röster:innen regelmäßig selbst in die Anbauländer reisen und mit den Produzent:innen direkt Verträge aushandeln. Das hat Vorteile und Nachteile, die wir uns im Folgenden anschauen.

Beim produzierenden Betrieb profitiert man durch den direkten Handel von besseren Preisen, einer starken, verlässlichen Beziehung und gegenseitigem Wissensaustausch. Die Vorteile für Röster:innen liegen auf der Hand: Sie haben den Rohkaffee direkt im Blick, vor Ort verkostet und dafür mit dem Farmer oder der Kooperative einen festen Preis ausgehandelt. Zwischenhändler:innen, die noch ein Stück vom Kaffeekuchen wollen, entfallen. Außerdem machen sie sich so ein eigenes Bild des Kaffeeanbaus, können Wünsche besser kommunizieren und voneinander lernen.

Für die Röstereien als Einkäufer birgt der direkte Handel aber auch einige Fallstricke und Nachteile. Die Voraussetzungen für gute Geschäfte sind ein umfangreiches Wissen über Rohkaffee und die Qualitätsunterschiede. Auch über soziale und ökonomische Gepflogenheiten vor Ort sollte man Bescheid wissen. Hinzu kommen einige Risiken, für die man im direkten Handel selbst haften muss. Kurz: Das unternehmerische Risiko ist ungleich höher.

Es ist außerdem üblich, dass die nächste Ernte vorfinanziert wird. Das bedarf wiederum einer Menge Kapital, um das Risiko für den Farmer zu minimieren und um sich ein bestimmtes Lot sichern zu können. Oft schließen sich deshalb mehrere Röstereien zu Einkaufsgemeinschaften zusammen. So garantieren sie den Produzenten größere Abnahmemengen, teilen Transport- und Logistikkosten auf und minimieren so auch die Risiken für sich und die Verkäufer:innen.

Was bedeutet Direct Trade?

Das Prädikat Direct Trade suggeriert Fairness und Nachhaltigkeit. Durch persönliche Beziehungen zu Farmer:innen, langfristige Partnerschaften und größtmögliche Transparenz über die sozialen und ökologischen Anbaubedingungen. Geschützt ist der Begriff allerdings nicht.

Es lohnt sich also – wie überall sonst auch – etwas genauer hinzuschauen, wenn das Thema Nachhaltigkeit einem wirklich am Herzen liegt. Steht also „Direct Trade“ oder „direkt gehandelt“ auf einem Kaffee, solltest du idealerweise auch weitere Informationen auf der Verpackung, der Röstereiwebsite oder einem Infokärtchen finden. Das können zum Beispiel Informationen zur genauen Herkunft des Rohkaffees sein (Land, Region, Ort, Farm).

Gibt die Rösterei auch weiterführende Informationen preis, oder verwendet sie nur den Begriff?

Wie wir Kaffee einkaufen

In den letzten Jahren haben sich immer mehr kleine Importeur:innen an den Kaffeehandel gewagt. Die Idee dazu ist dabei oft aus einer Leidenschaft für Kaffee, Auslandsaufenthalten und einer Vision faireren Handelns entstanden. Sie konzentrieren sich deshalb häufig auf ein bis zwei Ursprungsländer.

Als Günter Coffee Roasters verbessern wir uns seit der Gründung 2018 jedes Jahr in Sachen Nachhaltigkeit und Fairness im Handel. Den Rohkaffee für manche unserer Kaffees beziehen wir direkt über Ocafi, dessen Mitgründer Luis mit seiner Familie in Brasilien fünf Kaffeefarmen betreibt. Den Brazil Santa Alina findest du als Single-Origin-Kaffee im Shop. Den Brazil Aliança in unseren Blends Günter und Espresso.

Da wir uns entschieden haben, ab Start Kaffees aus mehreren Ländern anzubieten, ist echter Direkthandel für uns (noch) nicht machbar. Deshalb kaufen wir unsere Kaffees auch über Zwischenhändler:innen ein. Dabei achten wir allerdings penibel darauf, dass diese uns die Anbaubedingungen transparent machen und glaubhaft vermitteln können. Und darauf, dass es nicht zu viele Akteur:innen zwischen uns und der Farm gibt.

Zusammenarbeit mit kleinen Importeuren für Specialty Coffee

Neben dem Santa Alina von Ocafi beziehen wir auch unsere kolumbianischen Kaffees (aktuell den preisgekrönten Tabi und unseren Baia Baya) über einen kleinen Importeur, der direkt an der Quelle sitzt. Nikolai Fürst von Desarrolladores de Café, kurz DDC, betreibt in Medellín eine eigene Rösterei mit angeschlossenem Café. Wir haben ihn vor einigen Jahren bei den deutschen Kaffee-Meisterschaften kennengelernt.

Neben seiner Rösterei und dem Café bietet er auch Röst- und andere Schulungen an und exportiert ausgesuchte kolumbianische Kaffees nach Europa. Er arbeitet vor Ort mit einer Hand voll Farmer:innen zusammen, mit denen er Aufbereitungsprozesse ausprobiert und in engem Austausch Kaffee-Lots produziert, die außergewöhnliche Geschmacksprofile zeigen und nachhaltig sind.

Mit Vanía von Somaho, einem kleinen Importunternehmen für Kaffee aus Ruanda, arbeiten wir seit einer Weile auch zusammen. Von ihr beziehen wir die Rohkaffeebohnen für unseren Kamajumba. Somaho heißt in der Landessprache Ruandas so viel wie „nimm einen Schluck!“.

Von Sebastian vom Kaffeehandel Distl beziehen wir unseren Mexico San Felipe und bald auch noch einen zweiten, entkoffeinierten Kaffee. Mit den Indie Roasters aus Bielefeld tun wir uns für unseren Robusta aus Indien zusammen, dessen voluminöse Crema du in unseren Arabica-Robusta-Mischungen Marcello Sweet und Toulouse schmeckst.

Die großen Vorteile der Zusammenarbeit mit kleineren Händlern ist vor allem die Transparenz. Denn genau damit heben sie sich von den größeren Konkurrenten ab. Für sie ist es viel einfacher, alles im Blick zu haben und detaillierte Berichte von den Farmen zu geben. Außerdem ist es durch sie auch einfacher, Feedback zurück an die Farmer:innen zu leiten. Kleinere Importeure teilen sich oft auch Vorfinanzierungen mit den Röstereien. Das teilweise hohe Risiko verteilt sich so auf mehrere Schultern, was wiederum für mehr Fairness und starke persönliche und Handelsbeziehungen sorgt.

39 % unserer im Jahr 2021 gerösteten Kaffees stammen aus dem Handel mit kleinen Importeuren.

Rohkaffeekauf bei größeren Händlern für Specialty Coffee

Den Löwenanteil am Kaffeemarkt machen große Händler aus, die auf mehreren Kontinenten und in vielen Ländern tätig sind. Das ist kein Wunder, denn Specialty Coffee wird immer beliebter und damit wächst auch das Profitpotenzial. Aktuell arbeiten wir mit vier größeren Rohkaffeehändlern zusammen: Cafe Imports Europe mit Sitz in Berlin, belco mit Sitz im französischen Mérignac, Ally Coffee aus Sweden und Gollücke & Rothfos aus Bremen.

Für uns als kleine Mikrorösterei – nach der Definition der schweizerischen Kollegen der Kaffeemacher:innen gilt man mit einer Produktion zwischen 6–50 t Röstkaffee/Jahr als solche – bietet diese Art Rohkaffee einzukaufen eine Reihe an Vorteilen:

  • Auswahl: Keiner bietet so viel Auswahl, wie die Großen. Mehrere Hundert Kaffees aus allen möglichen Ländern? Kein Problem! Trotzdem achten wir immer darauf, dass auch Informationen zu den Kaffees vorliegen und die Anbaubedingungen möglichst transparent sind.
  • Transportkosten: Bei kleineren Abnahmemengen spielen die Transportkosten eine große Rolle. Können wir bei einer Lieferung keine ganze Palette füllen, wird der Kilopreis auf jeden Fall stärker beeinflusst, da die Kosten pro Palette gleichbleiben, egal wie voll diese beladen ist. Hat ein Händler mehrere Kaffees im Angebot, die uns interessieren, können wir jede Palette voll ausnutzen.
  • Bezahlung: Wir bezahlen nur, was wir abrufen. Das bedeutet, dass selbst wenn wir 30 Säcke reserviert haben, nur die bezahlen müssen, die wir auch wirklich zu uns in die Rösterei liefern lassen. Die restlichen Säcke werden meist in Hafennähe gelagert und bei Bedarf abgerufen. Diesen Luxus können kleine Importeure nicht bieten.
  • Verfügbarkeit: Gerade für unsere Blends ist es uns wichtig, dass sich die Komponenten nur ändern, wenn die neue Ernte ins Haus steht. Wir tüfteln an jeder Röstung und Mischung Wochen, wenn nicht Monate, um ein präzises Ergebnis zu erlangen, mit dem wir zufrieden sind. Um diesen enormen Aufwand stemmen zu können, müssen wir uns bis zur neuen Ernte auf die Verfügbarkeit der verarbeiteten Kaffees verlassen können.

    Als kleines Start-Up ist es für uns noch schwer, die passenden Mengen richtig zu planen. Schon ein neuer Kunde mit mittelgroßem Café-Betrieb kann die Planung über den Haufen werfen, weil wir plötzlich 20–30 % mehr Rohkaffee benötigen. Entsprechend hilfreich ist es, wenn unsere Blend-Komponenten dann in ausreichender Menge und kurzfristig verfügbar sind.

Der Rohkaffeeeinkauf bei größeren Händlern hat bei uns im Jahr 2021 61 % des verkauften Röstkaffees ausgemacht.